Aufbruch
Früh am Morgen kurz nach fünf brechen wir auf und werfen nach zwei Tagen die Leinen in Grytviken los. Der erwartete Regen bleibt erneut aus, es ist zwar windig, aber freundlich.
Buckelwale verabschieden uns aus der Bucht King Edward Cove, wir passieren Hope Point und schicken einen letzten Gruß an Shackleton. Wir verlassen die Cumberland Bay Richtung offene See und setzen unsere Reise Richtung Nordwesten fort. Kurs: Hercules Bay.
Wir wollen schauen, ob die Macaroni Pinguine endlich auf Südgeorgien eingetroffen sind. In der Hercules Bay sind zwei Kolonien ansässig.
Normalerweise kommen sie zwischen Mitte und Ende Oktober nach dem Winter auf See an ihre Brutplätze hier auf der Insel zurück.
Vor einigen Tagen, als wir in Cobblers Cove lagen und zur Rookery Bay gewandert sind, wo eine weitere Kolonie ihren Standort hat, haben wir sie noch nicht angetroffen.
Auf dem Weg lassen wir mittlerweile vertraute Buchten wie Stromness und Leith Harbour backbords liegen. Immer wieder tauchen einzelne Wale, Robben oder Scharen von Pinguinen vor oder neben uns auf.
Hercules Bay
Kurz nach zehn fällt der Anker in der Hercules Bay.
Diese wurde in den frühen 1900er Jahren von norwegischen Walfängern nach einem Walfangschiff benannt, das einst bei schlechtem Wetter Schutz in der Bucht suchte. Eine der frühesten Beschreibungen der Hercules Bay stammt von Frank Hurley – dem Fotografen der Endurance Expedition – welcher hier im März 1917 einen offenbar angenehmen Tag verbrachte, als er von Leith Harbour kam, um Pinguine zu fotografieren.







Auch wir genießen einen angenehmen Tag, umgeben von einer beeindruckenden Kulisse: die kleine Bucht öffnet sich wie ein Amphitheater, umgeben von bis zu 300 Meter hohen Kliffs und spektakulär gefalteten Felsformationen. Eine zerklüftete Küste, zahlreiche kleine Höhlen, wogendes Kelp im kristallklaren Wasser säumen die Bucht. In der Mitte ein kleiner Strand, auf den sich malerisch ein Wasserfall ergießt. Das Ufer gesäumt vom quirligen Leben Südgeorgiens: am Strand liegen Seeelefanten in der Sonne, Gentoo und Königspinguine sind unterwegs, Pelzrobben dösen auf den felsigen Uferzonen. Imperial Shags sitzen auf den von Moos und Flechten in leuchtenden Farben überzogenen Steinen. In den Klippen schallen die Rufe der Light-mantled Sootie Albatrosse und vom Ufer des Geraune und Grollen der Seelefanten herüber – durch die Form der Bucht vielfach verstärkt.
Nur die Macaroni Pinguine, die hier eigentlich entlang der felsigen, von Tussock Gras bewachsenen Hänge während der Brutzeit und Aufzucht der Küken beheimatet sind und eigentlich zu dieser Zeit bereits hier sein sollten, lassen sich nirgends entdecken.


Da Strand und Ufer von den einheimischen Bewohnern lückenlos besetzt sind, verzichten wir auf einen Landgang. Stattdessen unternehmen wir eine ausgiebige Zodiac Tour durch die Bucht, vorbei an all dem prallen Leben, werfen einen Blick in Höhlen und Felsspalten, auf wogendes Kelp und suchen die umliegenden Hänge nach den ersten Macaroni Pinguinen ab. Leider vergeblich.
Eigentlich wollten wir am Abend aufbrechen. Da es draußen, außerhalb der Bucht jedoch extrem windig ist und eine hohe Welle steht – beides direkt auf die Nase – lassen wir den Anker unten und verbringen hier die Nacht.
Mit Anbruch der Dunkelheit beginnen vereinzelte Schneeflocken im fahlen Mondlicht zu tanzen und eine wunderbare Stimmung liegt über der Bucht.













