Stanley

Angekommen

Wir sind zurück in Stanley. Angekommen auf den Falklands / Islas Malvinas.

Das Kapitel Südgeorgien liegt hinter uns. Vier gemeinsame Wochen und 2.280 Seemeilen in unserem Kielwasser.

Am frühen Morgen des 25.10. haben wir den Anker in der Right Whale Bay in Südgeorgien gelichtet, heute Vormittag, nach acht Tagen und neun Nächten, haben wir die Leinen am Pier in Stanley festgemacht. Begrüßt von drei ansässigen Pelzrobben, die unsere Ankunft nur mit einem kurzen Blick und gleichgültigen Schnaufen quittieren.

Überfahrt

Acht Tage auf See, die meisten davon grau und rau, die See selten harmonisch, manchmal wild. Oft sehr windig mit Geschwindigkeiten oft um und über 30 Knoten. Zwischen 30 und 60 Grad auf die Nase. Aus Südwest, West, Nordwest. Der Kurs daraus resultierend über einen Umweg, weiten Bogen nach Nordwest. Circa die halbe Strecke auf Steuerbordbug, die zweite – nach einer Wende – auf Backbordbug segelnd. Anstrengend, sich an Bord zu bewegen, zu kochen, zu sitzen, zu steuern, zu sein … immer in starker Schräglage, bergauf oder bergab, stets irgendwo einen festen Halt suchend, nachts in der Koje hin- und hergeworfen werdend oder unbequem im Leesegel zu hängen. Auch blaue Flecken und geprellte Rippen gehören dazu.

Der Himmel fast immer wolkenverhangen, die Nächte tiefschwarz, ohne Sterne, ohne Mond. Das Segeln bei hohem Wellengang in völliger Dunkelheit eine Herausforderung – das vorausschauende Aussteuern nahezu unmöglich.

Nach Überschreiten der Konvergenz wurde es von Tag zu Tag etwas milder. Die frostigen Nächte blieben aus. Es war immer wieder nass – allerdings selten von oben, meist gab es für den Rudergänger eine regelmäßige Dusche aus überkommender Gischt.

Erneut hatte es zu Beginn der Überfahrt einige heftig mit der Seekrankheit erwischt, nach zwei, drei Tagen waren aber die meisten glücklicherweise wieder fit und einsatzbereit.

Trotz des teilweise anstrengenden und herausfordernden Segelns gab es auch einige ruhige Momente, jene, die sich durchs tagelange Unterwegssein und tägliche, wiederkehrende Routinen ohne viel anderen Input einstellen. In denen sich Zeitfenster für Gespräche auftaten, gelesen oder die Gitarre hervorgeholt wurde.

Wir hatten wunderbare tierische Begegnungen, wurden viel und oft von Seevögeln begleitet, selbst die großen Wanderalbatrosse waren darunter. Und jedes Mal aufs Neue eine besondere Erfahrung. Ab und an tauchten einzelne Robben oder Pinguine neben uns auf. Und einige Male haben wir Delfine zu Gesicht bekommen, die – in Gruppen unterwegs – das Schiff begleitet und in dessen Bugwelle gesurft haben. Magisch.

Gestern Abend tauchten nach tagelangem Grau ab Nachmittag endlich Blau und Sonne auf, spendeten Farbe, Licht und Wärme. Verwandelten Himmel und Meer in ein strahlendes und glitzerndes Spektakel aus warmem Gold, als die Sonne abends im Wasser versank, das Ende unseres letzten Segeltages auf offener See.

Am kommenden Morgen wiederholte sich das Schauspiel, als die Sonne wieder emporstieg. Dazwischen eine Sternennacht, klar, kalt, voller Sternschnuppen – Platz für Wünsche. Zeit zum Innehalten, etwas Sentimentalität, ein Hauch von Abschied lag darüber, auch wenn „nur“ das Kapitel Südgeorgien sein Ende nimmt. Noch drei Wochen Falklands vor uns liegen. Und trotzdem macht sich dieses Gefühl breit. Gepaart mit Dankbarkeit.

Und der Abschied ist – zumindest ein Stück weit – auch eine Tatsache: Darek wird am nächsten Morgen nach Hause fliegen, uns aus Zeitgründen nicht mehr in den kommenden Wochen begleiten.

Stanley

Fest in Stanley freuen sich alle über das Geschafft haben, das Angekommen sein, eine (Ruhe)Pause, festen Boden unter den Füßen zu haben, sich die Beine vertreten zu können … und schwärmen – nach dem üblichen Immigration Prozedere und Papierkram – allein oder in kleinen Grüppchen aus.

Wir haben Glück, nach einem kräftigen Hagelschauer zur Begrüßung strahlt den Rest des Tages die Sonne vom blauen Himmel und lässt Frühlingsgefühle aufkommen. Die hier gerade blühenden Osterglocken und Narzissen lassen daran keinen Zweifel aufkommen.

Spaziergänge, Einkaufsbummel, in einem Café sitzen, eine Cappuccino trinken, Postkarten schreiben … und eine ausgiebige warme Dusche bestimmen den weiteren Tagesverlauf genau so wie das, was auf Booten üblich und notwendig ist: putzen, räumen, lüften, reparieren …

Abends gehen wir alle gemeinsam essen, stoßen dankbar miteinander auf gelungene vergangene Wochen dieser Reise an, tauschen Erinnerungen und Anekdoten aus und verabschieden Darek.

Ein, zwei Tage bleiben wir hier, bevor es dann weiter geht hier auf den Falklands.

Wir sind neugierig und freuen uns auf das, was noch kommt.

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