Gestern haben wir unseren Kurs NW entlang der Küste fortgesetzt.
Unterwegs einen Stop nahe Prion Island eingelegt, gegenüber von Salisbury Plain in der Bay of Isles. Die Insel ist ein wichtiger Brutplatz der Wanderalbatrosse. Diese größten Albatrosse sind die größten flugfähigen Vögel überhaupt, mit einer Flügelspannweite über 3 Meter.



Da die isolierten Inseln auch während der Zeiten menschlicher Anwesenheit und durch diese eingeschleppter Nager rattenfrei blieben, haben die Wanderalbatrosse hier sicher brüten und ihren Nachwuchs aufziehen können. Auf der Hauptinsel sind keine nistenden Albatrosse mehr zu finden, auch wenn diese mittlerweile dank größter Anstrengungen wieder rattenfrei ist.
Wir wollten sie natürlich gern beobachten, diese sehr besonderen Vögel und haben nahe der Westküste der Insel den Anker fallen lassen. Anlandungen sind mittlerweile nicht mehr erlaubt, um die gravierend schwindende Population zu schützen. In den vergangenen 25 Jahren ist diese um circa ein Drittel zurückgegangen, hauptsächlich verursacht durch die Langleinenfischerei.
Wanderalbatrosse haben einen Brutzyklus von zwei Jahren.
Um diese Jahreszeit sind die Küken bereits seit einigen Monaten geschlüpft (im März) und sitzen auf den Nestern, während die Elterntiere auf See unterwegs sind, um Nahrung zu beschaffen. Nur alle 4-5 Tage kehren sie zurück, um die Jungtieren zu füttern.
Von Deck aus suchen wir mit dem Fernglas die mit Tussock Gras bewachsene Insel ab, versuchen, ein Nest oder einen der Vögel auszumachen – jedoch vergeblich. Kelp Möwen, Giant Petrels und Light-mantled Sootie Albatrosse kreisen über der Insel oder soaren im Aufwind der Klippen. Aber einen Wanderalbatros können wir nicht entdecken.
Und so setzen wir nach einer Stunde unsere Fahrt fort.
Der Wind nimmt stetig zu, wir steuern die Right Whale Bay an für die Nacht.




Ebenjene Bucht, in der nach unserer Ankunft hier vor zwei Wochen das erste Mal der Anker ausrauschte. Und auch die Bedingungen ähneln sich: es ist grau, beißend kalt und Fallböen mit über 40 Knoten rauschen im Minutentakt das vergletscherte Tal hinunter in die Bucht, direkt auf unsere Nase. Gischtwolken fegen heran als wir den Anker fallen lassen. Das Fauchen des Windes übertönt die vom Ufer herüber schallenden Rufe der Königspinguine und Seeelefanten.
Und so schließt sich hier der Kreis. Unser Aufenthalt in Südgeorgien begann und endet hier in dieser Bucht.
Am Abend sitzen wir alle zusammen im Salon der Selma, tafeln festlich und stoßen an auf gelungene und reich gefüllte Tage voller besonderer Momente und faszinierender Begegnungen, auf das Wetterglück, darauf, dass alle gesund und wir als Team zusammengewachsen sind.

Heute Morgen haben wir die Selma seefest gemacht für die kommende Überfahrt zu den Falklands. Um sechs haben wir den Anker gelichtet, just in jenem Moment, als ein Kreuzfahrtschiff, die Fram, die Bucht ansteuerte. Ein Zeichen und Zeit die Segel zu setzen.
Um neun erstirbt das Motorgeräusch. Besan, Mainsail und Genua sind gesetzt. Wir machen 7 Knoten Fahrt über Grund bei 20 bis 25 Knoten Wind, Kurs 330 Grad, während Südgeorgien langsam in unserem Kielwasser verschwindet.
Bei unserer Ankunft, auf offener See habe ich einige Male einen Wanderalbatros gesichtet, dessen eleganten und mühelos aussehenden, gleitenden Flug über die Wellenberge und Täler bewundern können. Wer weiß – auf Prion Island haben wir sie nicht zu Gesicht bekommen, vielleicht aber wieder auf See.





