Wanderalbatros

Wanderalbatrosse sind die archetypischen Ozeanreisenden und Symbol des Südmeers. Circa 90 % ihres Lebens verbringen sie auf dem offenen Meer.

Sie gehören zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt und ihre durchschnittliche Flügelspannweite ist mit über 3 Metern größer als bei jeder anderen Art.

Und es gibt – wie bei anderen Albatrossen auch – eine weitere Besonderheit: Sie sind monogam, die meisten Vögel sind ihrem Partner ein Leben lang treu. Der Wanderalbatros ist eine der wenigen Arten, die sich im südlichen Winter vermehren. Die Brutperiode beträgt zwei Jahre, die Kükenaufzucht ist mit 278 Tagen die längste aller Vögel. Das Mindestalter bei der ersten Brutzeit beträgt acht bis fünfzehn Jahre. Wie viele Vogel- und Tierarten der subpolaren und polaren Regionen setzt er auf eine geringe Reproduktionsrate und ein hohes Alter. Normalerweise werden Wanderalbatrosse 60 bis 70 Jahre alt, können aber über 80 Jahre alt werden.

Während der Brutzeit legen Wanderer auf See enorme Entfernungen zurück und kehren im Durchschnitt nur alle 20 Tage zurück, um abwechselnd das Ei zu bebrüten, oder alle vier bis fünf Tage, um das Küken zu füttern. Um solch lange Zeiträume ohne Nahrung zu überstehen, legen die Küken einen große Fettreserve an. Wenn sie acht Monate alt sind, können sie bis zu 50% mehr wiegen als erwachsene Vögel und leicht mehrere Wochen ohne Nahrung überleben, falls sich die Rückkehr des Futter bringenden Elternteils verzögern sollte.

Während der zweiwöchigen Nahrungssuche auf See können Wanderalbatrosse bis zu 7.500 Kilometer zurücklegen. Und sie sind schnelle Flieger: über kurze Strecken erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 135 km/h. Vögel auf See folgen typischerweise Zickzack-Flugwegen und ändern ständig die Geschwindigkeit, Richtung und Höhe, um die Energie der vorherrschenden Winde maximal zu nutzen. Untersuchungen haben ergeben, dass sie auf See mit günstigem Rücken- oder Seitenwind reisend nur geringfügig mehr Energie verbrauchen, als wenn sie in der Kolonie herumsitzen. Die meiste Energie verbrauchen sie bei Starts und Landungen.

Das Nahrungsspektrum der Wanderalbatrosse ist äußerst vielfältig und umfasst eine Reihe von Krebstieren (insbesondere antarktischem Krill), Fischen und einer Vielzahl von Tintenfischen.

Zur Futtersuche begeben sich insbesondere die weiblichen Tiere eher in nördlichere Gewässer, in Breiten zwischen 51°-56° S. Eine Folge davon ist, dass sie in diesen Regionen (beispielsweise vor der Küste Brasiliens) beim Versuch, die ausgelegten Köder zu erbeuten, versehentlich von Langleinenfischern gefangen werden. Sie verschlucken den Köder, werden von den Haken in die Tiefe gezogen und ertrinken. Ein Kollateralschaden mit riesigen Folgen.

Trotz der Bemühungen verschiedener Institutionen, eine gut regulierte Fischerei zu gewährleisten, sinkt die Zahl der Wanderalbatrosse in Südgeorgien und weltweit seit Jahren in erschreckendem Maße. Im Jahre 2020 gab es weltweit etwa 20.000 Wanderalbatrosse. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Größe vieler Kolonien jedoch aufgrund der vielen Bedrohungen, v. a. durch den Menschen verursacht, halbiert. Der Bestand nimmt in drei Generationen (ca. 60 Jahre) um 30 % ab.

Bis ausreichende Maßnahmen zur Eindämmung von Beifang auf allen Schiffen, wo immer sie fischen, zur Norm werden, sind die Zukunftsaussichten für den Wanderalbatros, wie auch für viele andere Albatrosse auf den Ozeanen der Welt, düster. Ob sich die Populationen je erholen werden, ungewiss. Der Wanderalbatros wird auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Wanderer zu Gesicht zu bekommen, ist bereits jetzt eher gering. Um die symbolträchtigen Geschöpfe des südlichen Ozeans ist es leider schlecht bestellt.

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