Angekommen – Südgeorgien

Wir sind da, liegen seit gestern vor Anker in der Right Whale Bay. Das einzige Schiff auf der Insel.

Auch eine weitere Nacht haben wir beigedreht und uns die Stunden ohne Tageslicht nach Norden driftend um die Ohren geschlagen, aber gestern Morgen, als ich um halb fünf – die Segel waren mit dem ersten Tageslicht bereits wieder gesetzt – meinen Kopf ins zugige Cockpit und die antarktisch kalte Luft gestreckt habe, schälten sich die Insel und die ersten schneebedeckten Gipfel aus dem Nebel. Wenig später kamen erste schüchterne Sonnenstrahlen hinzu und setzten einen Eisberg in Szene.

Der Wind hatte auf Süd gedreht, aber die Insel bot kaum Abdeckung. Wir segelten auf Halbwindkurs bei 40 Knoten, Böen mit bis zu 56 Knoten jagten in kurzen Abständen übers Wasser, kündigten sich durch heranbrausende Gischtwolken in Form einer weißen Wand an, fegten übers Wasser und uns hinweg.

Es war wild, sah aber wunderschön aus. Das Wasser kochte – gebirgige Strukturen in graugrün und graublau – je nach Einfall des Lichts. Die Oberfläche fein gezeichnet, in ständiger Bewegung vom Wind modelliert. Ein unglaublicher Anblick.

Nicht so viele wie erwartet, aber doch einige Seevögel begleiteten uns neugierig, darunter die großen Albatrosse, die Wanderer, denen dieser Wind nichts ausmacht, im Gegenteil. Fein steuern sie jede Böe aus, nutzen jede Luftbewegung für ihren eleganten Flug. Eine Augenweide, sie zu beobachten.

Der starke Wind macht uns das Ankern nicht leicht. Die Bucht liegt zwar auf der Nordseite der Insel und bietet eigentlich gut Schutz in mehrere Richtungen, aber der starke Südwind fegte über den Pass und das Tal hinunter, verstärkte sich wie eine Düse und jagte eine Orkanböe nach der anderen direkt auf unsere Nase. Doch irgendwann, ca. Eine halbe Meile vom Ufer entfernt, rauschte der Anker aus. Nach einer Woche auf See.

Wir liegen also weder ruhig und es pfeift uns gewaltig um die Ohren. Aber wir sind hier! In Südgeorgien. Nach vielen Jahren in meinem Kopf. Nach fünf Jahren Planung. Im zweiten Anlauf, nachdem wir 2024 aus der Antarktis kommend Südgeorgien nicht anlaufen konnten. Diesmal haben wir es geschafft.

Wir liegen fest, der Anker hält. Um uns herum breitet sich die beeindruckende Landschaft der Insel aus, die gerade aus dem Winterschlaf erwacht: schneebedeckte alpine Gipfel, auch das breite Tal noch tief verschneit. Einzelne Felsen und Tussock Gras Büschel schauen aus dem Schnee heraus. Weiß, grau, ein Hauch von grün und blau sind die vorherrschenden Farben. Der Strand dunkel, fast schwarz. Darauf verteilt liegen Seeelefanten in mehreren Gruppen – oft bestehend aus einem riesigen, selbst aus der Ferne aufgrund ihrer immensen Größe gut zu erkennenden Bullen und seinem Harem aus mehreren deutlich kleineren Weibchen.

Im Schnee an den Hängen verteilt unzählige Königspinguine, verteilt auf mehrere Kolonien. Erwachsene schlanke, farbenprächtige Tiere und deren braune, fluffige Küken. Soweit das Auge reicht. Die Rufe der Pinguine und das dumpfe Grollen der Seeelefanten dringt bis zu uns herüber – zumindest dann, wenn der Wind kurz Atem holt für die nächste fauchende Sturmböe.

Für einen Landgang und die Überfahrt mit dem Dinghi ist der Wind zu stark. Am Abend scheint sogar für einen Moment die Sonne, bevor sie hinter den Gipfeln abtaucht.

Wir hoffen auf den nächsten Tag und machen es uns im Bauch der Selma gemütlich. Ruhen aus nach der Überfahrt, deren Anstrengung wir erst jetzt bemerken und die langsam abfällt. Kommen an, auch mit unserem Kopf, unseren Gedanken, die erst realisieren müssen, dass wir nun tatsächlich hier sind.

Wir kochen und essen ausgiebig – seit wir unterwegs sind das erste Mal alle zwölf zusammen, in Ruhe sitzend am gedeckten Tisch, mit Tellern und allem Drum und Dran, sogar einem Schluck Falkland Gin zur Feier des Tages und einem kleinen Glas Wein.

Glücklich und dankbar für dieses Privileg hier sein zu können.

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