Right Whale Bay

Vorbereitungen

Noch am Abend des Vortages bereiten wir uns auf den ersten Landgang vor. Das ist hier in Südgeorgien mit einigem Aufwand verbunden. Um zu verhindern, dass irgendetwas auf die Insel gelangt, was nicht hierher gehört – beispielsweise Samen, Erde, Pflanzenteile oder sonstiger zivilisatorischer Schmutz – müssen sämtliche Gegenstände, Kleidung … gründlich gereinigt werden. Und so herrscht geschäftiges Treiben an Bord: Rucksäcke, Kleidung und Taschen werden gründlich durchsucht, entleert, geputzt. Alles einmal auf links gedreht. Die Profile aller Schuhe und Stiefelsohlen werden ausgebürstet. Sämtliche Klettverschlüsse werden penibel von jeder Fussel oder Faser befreit.

Vor und nach jedem Landgang müssen die Stiefel zudem desinfiziert werden.

All dies dient dazu, dieses empfindliche Ökosystem so gut wie möglich vor äußeren Einflüssen zu schützen und zu bewahren.

Der erste Fuß an Land

Am Vormittag ist es dann soweit: das Dinghi und der Außenborder werden aus dem Vorschiff geholt, an Deck aufgebaut und zu Wasser gelassen. Die gestrige Abendsonne war jedoch nur ein kurzes Intermezzo: Es ist kalt, grau, regnet und der Wind weht mit 30 bis 35 Knoten das Tal hinab. Alles in allem mehr als ungemütlich, aber egal: wir wollen sehen, wo wir gelandet sind, setzen in drei Gruppen mit dem Schlauchboot über und betreten das erste Mal den Boden Südgeorgiens.

Und das hiesige Empfangskommando steht und liegt bereit: Königspinguine stehen und laufen umher und beäugen uns neugierig. Seeelefanten liegen und dösen in mehreren Gruppen am Strand oder auch weiter landeinwärts auf dem schneebedeckten Talgrund – vom ungemütlichen Wetter gänzlich unbeeindruckt.

Ein großer, massiger Bulle bewacht jeweils seinen Harem aus mehreren weiblichen Tieren und verteidigt diese gegen jeden Konkurrenten. Scheinbar schlafend liegt er da – aber sobald ein Eindringling auftaucht, ist er hellwach, baut sich zu voller Größe auf und lässt ein dumpfes, wütendes Grollen von sich. Wir halten lieber gebührenden Abstand von diesen 3-4 Tonnen Tier.

Für knapp zwei Stunden trotzen wir dem antarktischen Winterwetter, erkunden die Bucht und beobachten deren Bewohner bei ihrem Treiben. Während wir auf Voy und das Dinghi warten, taucht überraschend noch ein Leopard Seal direkt vor uns auf, vermutlich hungrig, auf der Jagd nach einem Abendessen. Auch wir haben Appetit, deshalb geht es zurück auf die Selma und wir wärmen uns auf bei einer heißen Suppe.

Der Wind bleibt stark, am Abend beginnt es zu schneien.

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